Laufhäschen

REGINA LIEBERT

LCC-Marathon 25.10.2009

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Zuerst bin ich geflogen wie ein Adler,
dann gekrochen wie ein Wurm!
Eines der Hauptziele für 2009 war nach dem Salzburg-Marathon, der Marathon beim LCC im Herbst zu laufen. Da ich mich aber dann entschlossen habe am 04.10.2009 den HM in Eisenstadt, wo ja die Österr. Meisterschaft und die Wiener Landesmeisterschaft in HM statt fand, zu laufen, rückte die Wichtigkeit des LCC-Marathons an
2. Stelle. Diese Entscheidung war genau Richtig. Von Eisenstadt mit einigen Titeln Heim gekehrt, bestätigen das.
Seit Donnerstag wusste ich meine Vorgabe, die ich beim Marathon laufen sollte. 4:15 auf den Kilometer sollten es sein. Es wäre eine Sub 3 Stunden Zielzeit. Zweifel plagten mich. Ich überlegte und beschloss, doch lieber die Sub 3:05 in Angriff zu nehmen. Einen Marathon in 3:04 wäre PB und zu schaffen. Am Sonntag war
das Wetter optimal und ich nahm mir daher vor, diesen Vorteil muß ich nützen, für einen Versuch von Sub 3. Die ersten Kilometer flog ich nur so dahin. Km 1 war unter 4 Minuten, der Km 2 in 4:04, Km 3 in 4:08 danach pendelte ich mich so bei 4:11 ein.
Die erste Runde (7 Kilometer) habe ich mit 4:09 im Durchschnitt hinter mich gebracht. Super!, weiter geht es. Sind ja nur mehr 5 Runden.
Ich fühlte mich wirklich gut. Ich war unverschämt und lief so weiter. Die zweite Runde zwar etwas langsamer, aber noch immer schneller als ich sollte. Ich freute mich beim laufen, es war ein tolles Gefühl, so dahin zu brausen. Fühlte mich als würde ich wie ein Adler fliegen.
Die dritte Runde, also Halbzeit war fertig gelaufen.
Ich wäre fast PB im Halbmarathon beim Marathon gelaufen (PB: 1:28:55-HM). 21 km waren in der Zeit von 1:28:52 bewältigt. Auf einmal war es vorbei. Die Leichtigkeit beim laufen, die ich vorher noch hatte, war weg. Es war, wie ein Lichtschalter, den man abdreht und es ist plötzlich dunkel. Die Beine waren müde und ich plagte mich. Ab Km 21 übernahm Michi Klapil (Vereinkollege) mich zu ziehen. Er hat soeben eine Leiche übernommen und glaube nicht, das er tote zum Leben erwecken kann. Schade und es tut mir leid, das ich jetzt schon so kaputt war. Trotzdem schaffte er es, mich ins Ziel zu bringen. Eigentlich noch immer unglaublich. Bis zu Km 25 war ich auf Sub 3 unterwegs. Dann konnte ich mich nicht mehr wehren.
Die Zeiten wurden schlechter, ich hatte schmerzen in der rechten Hüfte. Als ich die 4. Runde beendet hatte, war ich entsetzt – 2 Runden soll ich noch laufen? Ich schwor mir, das war mein Letzter Marathon. Warum? tu ich mir das an? Was finde ich am Marathonlaufen so schön? – nix ist schön. Quälen muß man sich. Zumindest war ich da ein wenig abgelenkt um meine schmerzen nicht zu spüren. Irgendwann ging es nicht mehr und ich konnte mich nicht mehr ablenken, die schmerzen hatten die Übermacht bekommen. Es tat so weh, am liebsten hätte ich geweint. Endlich
ging es in die 6. und Letzte Runde. Michi Klapil war ein Wahnsinn, er sprach ständig auf mich ein und motivierte mich zum weiter laufen. Er hat wirklich harte Arbeit leisten müssen. Dankeschön! Wenn ich über meine schmerzen anfing zu jammern, sagte er trocken: Du bist verkrampft gelaufen. Es wurde von ihm ignoriert. Ich habe zu schnell begonnen, jetzt muß ich die Konsequenzen tragen und so weiter laufen. Ich kroch wie ein Wurm dahin und schön brav immer an seinen Fersen klebend. Ich drückte zwar die Uhr bei den Kilometern ab, bekam aber von Michi Verbot, auf die Uhr zu schauen. Das Verbot war mir nur recht, ich hätte glaube ich, gar nicht mehr die Kraft gehabt, die Hand heben und schauen. Zwei Kilometer vorm Ziel bekam ich auch noch in meiner rechten Hüfte schmerzen. So gefreut habe ich mich in den ersten 3 Runden als ich bei der Insel und den Startbereich vorbei kam. Denn da standen viele Freunde und feuerten an. Ich winkte und lachte zurück. Jetzt hatte ich leider keine Kraft mehr, konnte die Hände nicht mehr hoch heben, ich hoffe nur, das man mein Lächeln sehen bzw. wenigstens erahnen konnte, als Dankeschön fürs zujubeln. Jetzt, kurz vorm einbiegen in den Zielbereich wagte ich einen Blick auf die Uhr. Ein Läufer war kurz vor mir auf den Weg zum Zielbogen. Ich nahm nocheinmal alle Kraft und versuchte ihn zu überholen bzw. wollte ich auf meiner Uhr noch die 7 stehen haben. Die Überholung war wie eine Zeitlupe. Geschafft – Endlich ist es vorbei!
Mit 3:07:23 Zielzeit!
Im Ziel war ich im ersten Moment entäuscht. Jedoch, bald durfte ich mich wieder freuen. Ich habe den 3. Platz bei den Damen erlaufen.
Wie gut, das es in unserem Haushalt 2 Läufer gibt. Doppelte chancen, das es was zum feiern gibt. Michael kam mit 3:20 ins Ziel und hat sich gleich um 4 Minuten verbessert. Juhuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuu!
Als wir zu Hause waren und bei mir die erlittenen Qualen ins Vergessen rückte, bin ich zufrieden. Ich würde es wieder tun (Sub 3 in Angriff nehmen), diesmal aber in den vorgebenen Kilometerzeiten und nicht zu schnell anlaufen. Ich verlange revanche, das der Wurm wieder zum Adler wird. Nächstes Jahr wird wieder Marathon gelaufen!

 

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